Warschau vor langer Zeit. Am Feiertag Allerseelen. Im Dunkel der Nacht erhebt sich die hohe Friedhofsmauer vor einem rötlichen Widerschein am Himmel.
Ich trete durch das weit geöffnete Tor und bin im Nu Teil einer faszinierenden Inszenierung. Tausende und abertausende von Kerzen flackern auf der Erde, färben den Himmel und zeigen an: hier liegt begraben, was einst leuchtete. Im Schweigen der Bäume hängen geflüsterte Worte. In den Büschen unmerkliche Bewegung. Da sind Menschen, ungezählte, die da stehen und schweigen und beten und Namen erinnern und aufsteigen lassen.
"… und wir zuhause sind, wo es auch sei, und niedersitzen können und uns anlehnen, als sei es an das Grab unserer Mutter." (Hilde Domin)
Aus jenem Herbst nehme ich den Satz eines polnischen Passanten mit: "Am Umgang mit den Toten zeigt sich die Qualität."
Anonym? Ja wie nun und was?
Sie wissen, was ich meine. Seit 50 Jahren sind "anonyme" Bestattungen, ist das Versenken in die Namenlosigkeit in unseren Städten auf dem Vormarsch. Ist das schlimm? Hat nicht jeder das Recht auf sein ganz persönliches Vergehen? Was soll denn das Aufheben um meine Person, die ist dahin. – Es schneidet mir seit Jahren ins Herz, wenn Menschen mit der Bescheidenheit des "Ich bin nichts, wer sollte sich schon kümmern!" argumentieren. Ich sehe vor mir die namenlosen Wiesen, gut gemäht aber unbesucht, und keine Amsel singt die Lebensgeschichte auf dem Grabstein des Konrad Kurz, kein Efeu rankt sich um das Prophetenwort "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein."
Was hilft solche Abwehr, solches Bedauern? Pfarrer, du setzt den Zerfall des Familienverbandes und der Friedhofskultur nicht außer Kraft. Nicht mit der moralischen Keule. Stimmt.
Und kein Ausweg?
Eines Tages hat es angefangen. Hier und da. Zuerst auf kirchlichen Friedhöfen (Zwölf Apostel, Alt-Schöneberg, Luisen), dann auch auf städtischen (Wilmersdorf), dass als andere Möglichkeit die Beisetzung in einer Grabstätte der Kirchengemeinde angeboten wurde: Das Dach der Gemeinde als neue – alte Familie! Ein aufgelassenes Erbbegräbnis gibt den Platz für 30, 60, 150 Urnen. Und plötzlich, wie von unsichtbarer Hand geschrieben, stehen Namen an der Wand und Worte und Lebensdaten: Der Name meiner Nachbarin, das Todesjahr meines Vaters, das Bibelwort, unter dem ich eingesegnet wurde. Und Blumen blühen und Grünes wächst. Die Kirchenfamilie lässt pflegen, auch der Blumenstrauß der Enkelin findet einen persönlichen Platz. Und am Totensonntag könnten viele Angehörige im Schein der Kerzen hier stehen. Könnten.
Fragen Sie uns
Kinder Gottes beisammen. Kinder Gottes mit Namen, weil wir einen großen Namen tragen: Sohn Achim, Tochter Anna … Und wo gibt's das? Fragen Sie Ihren Pfarrer oder Superintendenten. Und was kostet das? Ein wenig mehr als die namenlose Version. (Aber wenn das wirklich der Grund sein sollte, fragen Sie erneut und erst recht.)

"Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott." (Psalm 8, 5–6)
Kommen Sie darauf zurück! Aus dem Familienverband Kirche (nicht Verein Jesu Christi) grüßt Sie herzlich Ihr
Superintendent i. R. Wolfgang Barthen
Philippus-Kirche:
Spendenkampagne
und Benefizkonzerte
Reihe "Auf ein Wort", Nr. 71
"Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Es spricht Superintendentin Birgit Klostermeier.
Reihe "Auf ein Wort", Nr. 70
Vom Warten – der Advent des Lukas Es spricht Diakon Axel Heyne.
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